Das wichtigste zur Haftpflichtversicherung für Mediziner.

Einfach erklärt.

Die Haftpflichtversicherung für den Arzt ist die wohl wichtigste Risikoversicherung. Zum Teil musst du eine Haftpflichtversicherung vorweisen können, um überhaupt eine Approbation zu bekommen. Doch was hat es damit eigentlich genau auf sich? Worauf musst du achten? Und reicht vielleicht nicht die Absicherung über das Krankenhaus in dem du arbeitest für dich aus?

Erfahre hier wissenswertes rund um das Thema Haftpflichtversicherung für Mediziner. 

HAFTPFLICHTVERSICHERUNG FÜR MEDIZINER

Worum gehts?

Eine Haftpflichtversicherung kommt für den finanziellen Schaden auf, wenn du jemand anderen schädigst. Es wird zwischen Personen- Sach- und Vermögensschäden unterschieden. Die deutsche Gesetzgebung kennt keine Begrenzung der Haftung. Im schlimmsten Fall verursachst du also einen sehr hohen finanziellen Schaden und bist dazu verpflichtet, diesen solange zurück zu bezahlen, bis dieser beglichen ist. Im Zweifel dauert das dein ganzen Leben lang und übersteigt sogar die Summe die du jemals aufbringen kannnst. Solch hohe Schadenersatzforderungen treten aber eher bei Schäden auf, die andere Menschen verletzen oder töten (Personenschäden). Hohe Schadenersatzforderungen sind aber natürlich auch bei den anderen Schadenarten nicht ausgeschlossen. Ohne entsprechende Absicherung, kann ein Schaden also langfristig und dauerhaft alle finanziellen Ziele und Wünsche zunichte machen.

Wie sieht die gesetzliche Absicherung aus?

Eine gesetzliche Absicherung besteht im Grunde nicht. Lediglich Kinder bis 7 Jahre können für Schäden nicht haftbar gemacht werden und u.U. auch Menschen mit Behinderung. Man spricht hier von der sogenannten “Deliktunfähigkeit”, bei der es auch noch Differenzierungen hinsichtlich Schäden im Straßenverkehr gibt. Wenn ein deliktunfähiges Kind einen Schaden verursacht und die Eltern nachweislich ihre Aufsichtspflicht nicht verletzt haben, haftet beispielsweise niemand und der Geschädigte bleibt auf seinem Schaden sitzen.

Wann leistet eine Haftpflichtversicherung?

Wie bereits beschrieben, leistet eine Haftpflichtversicherung bei Personen-, Sach- und Vermögensschäden. Grundsätzlich leistet sie immer dann, wenn der Geschädigte einen gesetzlichen Haftungsanspruch hat. Das ist wichtig zu wissen, weil es einige denkbare Schadensfälle gibt, die in einer üblichen Haftpflichtversicherung nicht gedeckt sind, eben weil der Geschädigte keinen gesetzlichen Haftungsanspruch hat. Nehmen wir an du leihst dir von einem Freund ein Fahrrad und dieses wird dir leider geklaut. Das ist kein Sachverhalt aus dem sich ein gesetzlicher Haftungsanspruch ergibt und im Zweifel zahlt deine Haftpflichtversicherung nicht. Somit musst du dir überlegen, ob du deinem Freund ein neues Fahrrad auf deine Kosten kaufen möchtest oder nicht. Einen gesetzlich belegbaren Haftungsanspruch hat er dir gegenüber aber nicht. Ansonsten leisten Haftpflichtversicherung i.d.R. bis zu auch für Schäden die aus grober Fahrlässigkeit entstanden sind. Was genau als grob Fahrlässig gewertet wird oder nicht hängt im Zweifel von der Entscheidung eines Richters ab. Auch bezahlt deine Haftpflichtversicherung Kosten für Rechtsstreitigkeiten. Jedenfalls dann, wenn es sich um unberechtigte Ansprüche dir gegenüber handelt.

Brauche ich eine private Haftpflichtversicherung?

Ganz klar ja. Sofern du im Krankenhaus angestellt arbeitest oder während deiner Famulatur oder im PJ, hat das Krankenhaus meist eine Versicherung für dich mit abgeschlossen. Das trifft sicherlich auf die meisten Krankenhäuser zu, sollte aber in jedem Fall separat abgeklärt werden. Somit bräuchtest du zumindest keine eigene separate berufliche Haftpflichtversicherung. Allerdings ist eine separate berufliche Haftpflichtversicherung trotzdem empfehlenswert, da du ja auch abseits deiner Tätigkeit im Krankenhaus beruflichen Gefahren ausgesetzt bist. Man spricht hier vom sogenannten “ärztlichen Restrisiko”. Hierbei geht es um Schadenfälle die auftreten könnten, z. B. als Ersthelfer an einem Unfallort oder durch eine gut gemeinte Empfehlung im Freundes- oder Bekanntenkreis. Mit deiner Facharztanerkennung ändert sich meist auch das Haftungsrisiko und allerspätestens dann, solltest du das Thema genauer betrachten.

Worauf sollte ich beim Abschluss einer Haftpflichtversicherung achten?

Es gibt sehr viele verschiedene Anbieter von Haftpflichtversicherungen, die wiederum viele unterschiedliche Tarife anbieten. Haftpflichtversicherungen lassen sich sehr gut über Vergleichsrechner im Internet miteinander vergleichen. Während deines Studiums hast du vielleicht schon eine kostenfreie Haftpflichtversicherung von Finanzberatern, die teilweise mit Kooperationen zum Marburger Bund werben, angeboten bekommen. Diese beinhalten meistens eine Kombination aus privater- und beruflicher Haftpflichtversicherung und leisten auch bei dem im vorherigen Punkt beschriebenen “ärztliches Restrisiko”. Wenn du aber abseits deiner Tätigkeit im PJ schon privatärztlich arbeitest, z.B. in der Impfberatung oder ärztliche ehrenamtliche Tätigkeiten ausführst, solltest du mit deiner Versicherung abklären, ob auch diese Tätigkeiten versichert sind. In den gängigen günstigen oder kostenlosen Paketen ist dafür oft kein umfangreicher Schutz vorgesehen.

Was kostet eine Haftpflichtversicherung?

Abhängig vom Versicherer und dem gewählten Tarif spielen viele weitere Faktoren bei der Frage nach den Kosten eine Rolle. Handelt es sich um eine Single- oder eine Familienversicherung? Arbeitest du im öffentlichen Dienst oder nicht? Geht es um eine Kombination aus einer privaten- und einer beruflichen Haftpflichtversicherung, oder nur um eine private Haftpflichtversicherung? Wie hoch ist die Versicherungssumme? Und so weiter… Grob kann man sagen, dass die weiter oben beschriebenen kostenlosen Pakete für Humanmedizin-Studenten maximal bis zu 10 € im Jahr kosten, wenn sie nicht kostenlos angeboten werden. Gängige Pakete aus privater- und beruflicher Haftpflichtversicherung zur Assistenzarztzeit liegen bei ca. 60 € pro Jahr. Für eine reine private Haftpflichtversicherung zahlt man schonmal 50 € bis 70 € im Jahr und bei einer Berufshaftpflichtversicherung für Fachärzte, Oberärzte usw. hängen die Kosten von der Fachrichtung ab. Die Versicherungen für einen Facharzt der Radiologie ist beispielsweise günstiger als die für einen Gynäkologen.

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