Beitragssteigerungen in der Privaten Krankenversicherung

Aktualisiert: 21. März


Geht es um Versicherungen, polarisiert wohl kaum eine Frage so stark wie die danach, ob man sich für die Private Krankenversicherung oder die Gesetzliche Krankenversicherung entscheidet. In unserer Reihe “Private Krankenversicherung für Ärzte” wollen wir nach und nach die wichtigsten Fragen zu diesem Thema aufgreifen und Antworten liefern. Wir starten mit dem immer wieder diskutierten Thema der Beitragssteigerungen.

Beitragskalkulation in der Privaten Krankenversicherung

Grundsätzlich kalkuliert ein Versicherer den Beitrag so, dass dieser dauerhaft konstant ist. Unterschiedliche Faktoren spielen bei der Kalkulation der Beiträge eine Rolle.

Der Anbieter der Privaten Krankenversicherung versucht das Kostenrisiko über die gesamte Zeit zu berücksichtigen. Das gilt im übrigen nicht nur für die Private KrankenVOLLversicherung, sondern auch für Private Krankenzusatzversicherungen. Da man statistisch gesehen in jungen Jahren weniger Gesundheitskosten verursacht als im fortgeschrittenen Alter, muss man theoretisch in jungen Jahren weniger für seine Krankenversicherung bezahlen als später. Die Kalkulation sieht aber vor, dass man in jungen Jahren einen Beitrag zahlt, von dem ein Großteil angelegt wird, um Kostensteigerungen im Alter aufzufangen. Man spricht hier von sogenannten Alterungsrückstellungen. Diese Gelder werden direkt bei der Versicherung für einen selbst und die Versichertengemeinschaft angelegt und verzinst. Laut PKV-Verband beträgt der Wert der für Alterungsrückstellung hinterlegten Gelder 2016 bei über 232 Mrd. €.

Alterungsrückstellungen in der Privaten Krankenversicherung

Trotzdem kommt es zu Beitragssteigerungen. Diese fallen je Anbieter und Tarif höchst unterschiedlich aus. Es gibt für Mediziner relevante Anbieter, deren Beitragssteigerungen über Jahrzehnte weniger als 2% p.a. betragen und wieder andere - teils sehr beliebte Anbieter - die nachweislich bei über 6% p.a. liegen.

Viele wissen nicht, dass es auch in der GKV relevante Beitragssteigerungen gibt, darauf gehen wir am Ende des Artikels nochmal genauer ein.

Quelle: PKV-Verband

Welche Faktoren sind für die Beitragskalkulation wichtig?

Relevante Faktoren für die Beitragskalkulation und spätere Beitragsanpassungen in der Privaten Krankenversicherung sind:

  • Einstiegsalter: Je jünger desto günstiger

  • Beruf: Ärzte können Sondertarife nutzen

  • Tarifliche Leistung: Mehr Leistung bedeutet meistens auch einen höheren Beitrag

  • Gesundheitszustand: Vorerkrankungen können den Versicherungsschutz verteuern oder unmöglich machen

  • Inflation und generelle Verteuerung medizinischer Versorgung: Zwar wird versucht diese Entwicklung mit einzukalkulieren, aber das gelingt nicht 100%ig

  • Wirtschaftliche Stärke des Anbieters: Je stabiler und erfolgreicher ein Unternehmen wirtschaftet, umso wahrscheinlicher ist es, dass die Beiträge geringer steigen werden. Kennzahlen die man hier für eine Bewertung nutzen kann sind:

  1. Eigenkapitalquote

  2. Sicherheitsmittelquote

  3. Rückstellungen für Beitragsrückerstattungen (RfB-Qute)

  4. Bewertungsreservequote

  5. Überschussreservefaktor

  6. Barausschüttungsquote

  7. Verzinsung der Anlagen

Im folgenden Beschreiben wir die Bedeutung der einzelnen Kennzahlen, die die wirtschaftliche Stärke des Anbieters ausdrücken können.

Die Eigenkapitalquote gibt gute Hinweise darauf, welche Gelder und Vermögenswerte dem Anbieter zum Ausgleich eventueller kurzfristiger Verluste zur Verfügung stehen. Allerdings sollte man nicht nur auf die Eigenkapitalausstattung achten. Dies wäre nicht ausreichend, denn sie sagt nichts über die Höhe künftiger Beitragssteigerungen oder der Überschussbeteiligungen aus. Zusätzlich ist es so, dass eine zu hohe Eigenkapitalausstattung keine extra Sicherheit bedeutet, aber durch die Besteuerung der Gewinnrücklagen eine geringere Überschussbeteiligung für den Kunden zu erwarten ist. Einige Anbieter gehören zu einem Konzern. Hier kommt es vor, dass eine eher geringe Eigenkapitalquote und außerdem eine “Verpflichtung zur Verlustübernahme der Muttergesellschaft” vorliegt. Solange die Konzernmutter eine gute Eigenkapitalausstattung aufweist, bedeutet das keine verringerte Sicherheit des Anbieters.

Ein weiterer Faktor sind die Sicherheitsmittel eines Anbieters. Hierzu wird die Sicherheitsmittelquote (SHMQ) berechnet. Hierbei werden die