Beitragssteigerungen in der Privaten Krankenversicherung


Geht es um Versicherungen, polarisiert wohl kaum eine Frage so stark wie die danach, ob man sich für die Private Krankenversicherung oder die Gesetzliche Krankenversicherung entscheidet. In unserer Reihe “Private Krankenversicherung für Ärzte” wollen wir nach und nach die wichtigsten Fragen zu diesem Thema aufgreifen und Antworten liefern. Wir starten mit dem immer wieder diskutierten Thema der Beitragssteigerungen.

Beitragskalkulation in der Privaten Krankenversicherung

Grundsätzlich kalkuliert ein Versicherer den Beitrag so, dass dieser dauerhaft konstant ist. Unterschiedliche Faktoren spielen bei der Kalkulation der Beiträge eine Rolle.

Der Anbieter der Privaten Krankenversicherung versucht das Kostenrisiko über die gesamte Zeit zu berücksichtigen. Das gilt im übrigen nicht nur für die Private KrankenVOLLversicherung, sondern auch für Private Krankenzusatzversicherungen. Da man statistisch gesehen in jungen Jahren weniger Gesundheitskosten verursacht als im fortgeschrittenen Alter, muss man theoretisch in jungen Jahren weniger für seine Krankenversicherung bezahlen als später. Die Kalkulation sieht aber vor, dass man in jungen Jahren einen Beitrag zahlt, von dem ein Großteil angelegt wird, um Kostensteigerungen im Alter aufzufangen. Man spricht hier von sogenannten Alterungsrückstellungen. Diese Gelder werden direkt bei der Versicherung für einen selbst und die Versichertengemeinschaft angelegt und verzinst. Laut PKV-Verband beträgt der Wert der für Alterungsrückstellung hinterlegten Gelder 2016 bei über 232 Mrd. €.

Trotzdem kommt es zu Beitragssteigerungen. Diese fallen je Anbieter und Tarif höchst unterschiedlich aus. Es gibt für Mediziner relevante Anbieter, deren Beitragssteigerungen über Jahrzehnte weniger als 2% p.a. betragen und wieder andere - teils sehr beliebte Anbieter - die nachweislich bei über 6% p.a. liegen.

Viele wissen nicht, dass es auch in der GKV relevante Beitragssteigerungen gibt, darauf gehen wir am Ende des Artikels nochmal genauer ein.

Quelle: PKV-Verband

Welche Faktoren sind für die Beitragskalkulation wichtig?

Relevante Faktoren für die Beitragskalkulation und spätere Beitragsanpassungen in der Privaten Krankenversicherung sind:

  • Einstiegsalter: Je jünger desto günstiger

  • Beruf: Ärzte können Sondertarife nutzen

  • Tarifliche Leistung: Mehr Leistung bedeutet meistens auch einen höheren Beitrag

  • Gesundheitszustand: Vorerkrankungen können den Versicherungsschutz verteuern oder unmöglich machen

  • Inflation und generelle Verteuerung medizinischer Versorgung: Zwar wird versucht diese Entwicklung mit einzukalkulieren, aber das gelingt nicht 100%ig

  • Wirtschaftliche Stärke des Anbieters: Je stabiler und erfolgreicher ein Unternehmen wirtschaftet, umso wahrscheinlicher ist es, dass die Beiträge geringer steigen werden. Kennzahlen die man hier für eine Bewertung nutzen kann sind:

  1. Eigenkapitalquote

  2. Sicherheitsmittelquote

  3. Rückstellungen für Beitragsrückerstattungen (RfB-Qute)

  4. Bewertungsreservequote

  5. Überschussreservefaktor

  6. Barausschüttungsquote

  7. Verzinsung der Anlagen

Im folgenden Beschreiben wir die Bedeutung der einzelnen Kennzahlen, die die wirtschaftliche Stärke des Anbieters ausdrücken können.

Die Eigenkapitalquote gibt gute Hinweise darauf, welche Gelder und Vermögenswerte dem Anbieter zum Ausgleich eventueller kurzfristiger Verluste zur Verfügung stehen. Allerdings sollte man nicht nur auf die Eigenkapitalausstattung achten. Dies wäre nicht ausreichend, denn sie sagt nichts über die Höhe künftiger Beitragssteigerungen oder der Überschussbeteiligungen aus. Zusätzlich ist es so, dass eine zu hohe Eigenkapitalausstattung keine extra Sicherheit bedeutet, aber durch die Besteuerung der Gewinnrücklagen eine geringere Überschussbeteiligung für den Kunden zu erwarten ist. Einige Anbieter gehören zu einem Konzern. Hier kommt es vor, dass eine eher geringe Eigenkapitalquote und außerdem eine “Verpflichtung zur Verlustübernahme der Muttergesellschaft” vorliegt. Solange die Konzernmutter eine gute Eigenkapitalausstattung aufweist, bedeutet das keine verringerte Sicherheit des Anbieters.

Ein weiterer Faktor sind die Sicherheitsmittel eines Anbieters. Hierzu wird die Sicherheitsmittelquote (SHMQ) berechnet. Hierbei werden die Sicherheitsmittel (Summe aus Eigenkapital, Bewertungsreserven und freier Rückstellung für Beitragsrückerstattung) ins Verhältnis zur Alterungsrückstellung des jeweiligen Geschäftsjahres gesetzt.Die Sicherheitsmittelquote besagt also, wieviel dieser Mittel im Verhältnis zur den eingegangenen Verpflichtungen (Alterungsrückstellung) vorhanden sind. Ist die Sicherheitsmittelquote besonders hoch, bedeutet das, dass dem Anbieter entsprechend hohe Mittel zur Verfügung stehen, die zur Deckung eventuell auftretender Verluste genutzt werden können.

Der nächste wichtige Faktor ist die “Rückstellungen für Beitragsrückerstattungen (RfB)”. Sie sagt aus, über wie viel Überschussmittel ein Anbieter im Verhältnis auf die jährlichen verdienten Bruttobeiträge verfügt. Eine hohe RfB-Quote ist zwar ein Indikator, aber kein Garant für kundenorientierte Überschussbeteiligungen. Es kann auch kein Anspruch auf ausbleibende Beitragserhöhungen abgeleitet werden, nur weil es einen gut gefüllten RfB-Topf gibt.

Als vierten Faktor nennen wir die Bewertungsreservequote. Diese stellt den Anteil der Bewertungsreserven an den Kapitalanlagen dar. Wenn große Bewertungsreserven bei einem Anbieter vorhanden sind, kann es diese ggf. nutzen. Allerdings muss man beachten, dass dies nur einmal möglich ist. Wegen dieser Vorteile sind vorhandene Bewertungsreserven grundsätzlich positiv.

Der Überschussreservefaktor ist eine Kennzahl, die man aus der Lebensversicherung kennt. Sie gibt Auskunft darüber, wie viele Jahre ein Anbieter seine gebundenen Mittel durch die aktuell freien RfB finanzieren könnte. Je höher dieser Wert, desto länger reichen die derzeit vorhandenen Gelder und Vermögenswerte aus.

Als nächstes gehen wir auf die Barausschüttungsquote ein. Sie stellt das Verhältnis dar, von Barausschüttungen zu den verdienten Bruttobeiträgen. Eine hohe Barausschüttung bedeutet einen direkten Nutzen für den Kunden. Es handelt sich um Geld, welches direkt dem Versicherungsnehmer zufließt. Erfahrungsgemäß führen hohe Barausschüttung auch zu einer positiven Risikoauswahl, weil dadurch gute Risiken angezogen werden. Das ist dann für das gesamte Versichertenkollektiv positiv.

Zuletzt gehen wir noch auf die Verzinsung der Anlagen ein. Eine hohe Nettoverzinsung kann als positiv gewertet werden, da sie über den erzielten Kapitalanlageerfolg des Anbieters informiert. Allerdings sollte man auch wissen, dass weniger erfolgreiche Anbieter durch die Auflösung stiller Reserven das erklärte Ergebnis kurzfristig verbessern können. Das würde aber im Laufe der Zeit auffallen, daher sollte man sich hier auch die Kennzahlen der vergangenen Jahre anschauen.

  • Demografie: „Vor 20 Jahren kalkulierten wir die zukünftige Entwicklung. Wir gingen davon aus, dass die Menschen älter würden. Damit behielten wir recht. Außerdem gingen wir davon aus, dass die Menschen somit auch länger gesund bleiben würden. Das erwies sich als falsch – die Menschen sind länger krank! Das mussten wir nachkalkulieren.“ (Vorstand einer Krankenversicherung)

  • Leistungsgarantie: Im Gegensatz zur GKV sind die Leistungen bei der PKV garantiert. Die zugesagten Leistungen laut Bedingungen können nicht einfach reduziert werden, nur weil es dem Versicherungsunternehmen zu teuer ist. Wer sich genauer mit Leistungskürzungen in der GKV beschäftigt wird schnell feststellen, dass dieser Punkt ein ganz entscheidender Unterschied zwischen den Systemen PKV und GKV ist.

Es gibt besondere PKV-Tarife für Mediziner, die mit extrem günstigen Beiträgen werben. Für eine gute Private Krankenversicherung zahlt man als junger Assistenzarzt rund 500 € bis 600 € monatlich. Zum Vergleich liegt der Beitrag in der GKV für einen Arzt, der oberhalb der Jahresentgeltgrenze verdient derzeit bei über 800 € im Monat. Manche PKV-Anbieter haben Tarife im Angebot, die es stellenweise für 250 € im Monat gibt und das sogar bei ganz ordentlichen Leistungen. Das ein solch günstiger Tarif allerdings dauerhaft nicht konstant bleiben kann und damit eher dazu neigt später rapide anzusteigen liegt auf der Hand.

Warum ist die PKV oft so viel günstiger als die GKV?

Wie kann es aber sein, dass eine PKV mit teilweise deutlich besseren Leistungen als in der GKV so viel günstiger ist? Der Grund dafür ist, dass du als Arzt in der Gesetzlichen Krankenversicherung bei entsprechendem Gehalt zu viel bezahlst. Als Solidarsystem orientiert sich der Beitrag in der GKV grob gesagt am Durchschnitt. Laut statistischem Bundesamt beträgt der durchschnittliche Bruttomonatsverdienst für vollzeitbeschäftigte Arbeitnehmer im in Deutschland im Jahr 2017 bei 3.771 €. Das bedeutet für den Beitrag zur Gesetzlichen Krankenversicherung vereinfacht gesagt, wer darüber verdient zahlt “zu viel”, da er die Leistungen für die Personen mitfinanziert die weniger verdienen.

Wie vermeide ich Beitragssteigerungen in der PKV?

Beitragssteigerungen lassen sich nicht vermeiden. Berücksichtigt man allerdings wichtige Kriterien, kann das Risiko von hohen Beitragssteigerungen deutlich reduziert werden.

Zusammengefasst solltest du bei der Auswahl deiner Versicherung auf folgende Punkte achten:

❗ Wähle einen wirtschaftlich gut aufgestellten Anbieter

❗ Achte darauf, dass der Preis zu den Leistungen passt. Wahnsinnig tolle Leistungen passen schlicht und einfach nicht zu super günstigen Beiträgen

Beitragssteigerungen in der Gesetzlichen Krankenversicherung

Der Beitrag in der Gesetzlichen Krankenversicherung richtet sich im wesentlichen nach deinem Einkommen. Es gibt einen bestimmten Prozentwert (Beitragssatz) der ausschlaggebend für die Beitragshöhe ist. Zusätzlich spielt die Wahl deiner Krankenkasse eine Rolle (Kassenindividueller Zusatzbeitrag) und ob du Kinder hast oder nicht (Zuschlag Pflegeversicherung kinderlose). Je mehr du verdienst, desto teurer wird der Beitrag. Das gilt allerdings nur bis zur Beitragsbemssungsgrenze. Diese liegt 2018 bei 53.100 €. Das bedeutet, dass sich bis zu dem Betrag dein Beitrag zur Gesetzlichen Krankenversicherung erhöht, danach aber nicht mehr. Somit lässt sich festhalten, dass es drei relevante Faktoren für die Beitragshöhe der GKV gibt:

1. Dein Einkommen

2. Der Beitragssatz

3. Die Beitragsmessungsgrenze

Der Beitragssatz variiert seit vielen Jahren mit der klaren Tendenz nach oben. 1970 lag der Beitragssatz noch bei 8,2% derzeit sind wir im Durchschnitt bei 15,6%.

Die Änderung des Beitragssatzes führt zu einer Änderung des Beitrages bei allen Versicherten in der GKV. Die Änderung der Beitragsbemessungsgrenze dagegen führt nur bei den Personen zu einem Beitragsanstieg, die oberhalb der Grenze verdienen!

Verlauf

Beitragsbemessungsgrenze der GKV

Quelle:

Wikipedia

Als MedizinerIn mit einer Vollzeitstelle liegst du dauerhaft mit deinem Einkommen über der Beitragsbemessungsgrenze. Daher ist es wichtig, sich die Entwicklung eben dieser genau anzuschauen. Umgerechnet lag die Beitragsbemessungsgrenze 1987 bei 26.229 €. Im Jahr 2018 liegt sie bei den eben genannten 53.100 €. In konkreten Zahlen ausgedrückt bedeutet das, dass der Beitrag der GKV 1987 bei gerade einmal 275 € mtl. lag und im Jahr 2018 bei 690 € (beides ohne Pflegepflichtversicherung, diese kommt noch dazu). Dies entspricht einer Beitragssteigerung von rund 3% jährlich, ohne dass wir Zuzahlungen zu Medikamenten etc. und Leistungseinschnitte berücksichtigt haben.

Fazit

Eine Krankenversicherung ist mit Sicherheit die wichtigste Versicherung die man hat. Daher sollte die Auswahl gut überlegt sein. Dabei spielt es keine Rolle, ob man sich für oder gegen das System der Gesetzlichen oder der Privaten Krankenversicherung entscheidet. Niemand kann in die Zukunft blicken und mit Gewissheit sagen, wie sich die Beiträge entwickeln werden. Aber es wäre falsch zu behaupten, dass das System der PKV gerade für Ärztinnen und Ärzte im Alter dazu führt, dass horrende Beitragssteigerungen zu erwarten wären.

#Krankenzusatzversicherung #privateKrankenversicherung #PKV #Finanzwissen #Beitragssteigerungen

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