Die Preise steigen langsamer - das Ende der Inflation?

Erstmals in diesem Jahr sinkt die Inflationsrate in Deutschland. Experten sehen darin keinen dauerhaften Trend – ganz im Gegenteil. Fans von Sparkonten und Festgeldern haben es nicht leicht. Seit Jahren erhalten sie wenig oder gar keine Zinsen auf ihre Einlagen. Wenn du auf Dauer kein Geld verlieren willst, solltest du in höher rentierliche Sachwerte wie Fonds, ETFs oder Immobilien investieren.


Ende der Inflation

Die Preise von Lebensmitteln wie Obst und Gemüse steigen, Quelle: Pixaby


Der Preisanstieg verlangsamte sich im Juni zum ersten Mal in diesem Jahr. Der Preisanstieg betrug 2,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden nach vorläufigen Ergebnissen mitteilte. Im Mai lag die Inflationsrate noch bei 2,5 Prozent. Nach dem leichten Rückgang erwarten Experten jedoch wieder einen Anstieg der Inflation. Wie in den Vormonaten stiegen vor allem im Juni die Energiepreise, aber auch Lebensmittel und Dienstleistungen verteuerten sich. Dass sich die leichte Entspannung im Juni fortsetzen wird, ist nach Ansicht von Finanzexperten unwahrscheinlich. „Es ist nicht ganz sicher, dass diese kurzfristige Inflation so schnell verschwinden wird, wie sie gekommen ist“, sagte Friedrich Heinemann vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim. Aufgrund steigender Löhne in den Schwellenländern, zunehmendem Lohndruck bei den Arbeitnehmern und einem Vertrauensverlust in die Bereitschaft der Europäischen Zentralbank, die Inflation wirksam zu bekämpfen, bestehe ein "reales Risiko einer dauerhaft steigenden Inflation". Auch Jens-Oliver Niklasch von der Landesbank Baden-Württemberg sieht die etwas niedrigere Inflationsrate im Juni nur als "kleine Atempause vom steigenden Inflationsgipfel". Die Inflation wird mindestens bis zum Jahresende ein Problem bleiben, ab September rechnet er mit einer Inflation von über drei Prozent.

Das Risiko einer anhaltenden Inflation wachse weiter, sagte Niklasch.


Inflation trifft vor allem konservative Sparer


Die comdirect hat vor einigen Monaten errechnet, dass der Realzins, also der Nominalzins auf Bankguthaben abzüglich der Inflationsrate, im ersten Quartal bei minus 1,25% lag. Laut comdirect haben die Ersparnisse der Deutschen in den ersten drei Monaten einen Wert von acht Milliarden Euro verloren, knapp 100 Euro pro Kopf. In der damaligen Berechnung betrug der Jahressteuersatz jedoch nur 1,7 %. Seitdem hat sich die Inflation stark erholt und erreichte im Mai 2,5 % und jetzt 2,3 %. Da sich hingegen an der Zinsfront nichts geändert hat, sind die Realzinsen noch stärker gefallen und liegen aktuell bei minus 2,4 %.


Eigentlich ist ein negativer Realzins nichts Ungewöhnliches. Selbst bei nominell höheren Zinsen haben Sparer in der Vergangenheit Geld verloren, wenn die Inflationsraten noch höher waren. Nach Angaben der Bundesbank sind die Realzinsen seit den ersten Umfragen im Jahr 1967 die meiste Zeit negativ.



Realzins Entwicklung

Realzins für Sichteinlagen von Privatkunden bei deutschen Banken Quelle: Bundesbank, eigene Berechnungen


Neu ist jedoch die Geschwindigkeit der Inflation. Nur im historischen Tief von 1973 war der Realzins mit 2,7 % noch niedriger. Eine einfache Modellrechnung zeigt, wie schmerzhaft diese Entwicklung für Sparer ist. Wenn du zum Beispiel 100.000 Euro für zehn Jahre festverzinslich anlest und der Realzins - wie derzeit - jährlich minus 2,4 Prozent beträgt, erleidest du nach zehn Jahren einen Kaufkraftverlust von rund 21.500 Euro. Daher ist es ratsamer, das Kapital in Sachwerte wie Aktienfonds, ETFs oder andere Sachwerte wie Immobilien zu investieren. Erzielen die jährlichen Renditen des so investierten Kapitals mindestens die Inflationsrate, vermeiden Anleger eine inflationsbedingte Vermögensminderung.


Die Chancen auf attraktive Renditen beispielsweise bei Aktienfonds stehen gut. Nach den neuesten Statistiken des Handelsverbands BVI erzielten Fonds, die sich auf inländische Aktien konzentrieren, im Jahrzehnt eine durchschnittliche jährliche Rendite von 7,4 %. International anlegende Aktienfonds erzielten sogar eine entsprechende Rendite von 8,2 %.


Und auch für konservative Anleger gibt es Konzepte, mit denen das Geld sicher und einigermaßen attraktiv angelegt werden kann (Zielrendite rund 2,5 %, bei flexibler Verfügbarkeit).